Nachts, allein mit dem Käfer

By Benjamin

Es ist spät. Es ist wirklich spät. Es ist so spät, dass es schon gleich wieder früh ist. Ich könnte kotzen, ich bin müde, kann aber nicht schlafen. Nach stundenlangem Lesen, das mich so langsam in einen Dämmerzustand befördert hat, liege ich dennoch wach in meinem Bett, es ist zu warm. Und als ich gerade die innere Haltung umsetzte, diesen Umstand zu ignorieren, kam er, der Käfer. Ein kleines, rotes Tier, das aus dem wilden Wein vor meinem Fenster stammt, wo eine Käferpopulation von gigantischem Ausmaß sein muss. All diese Tiere existieren dort nur, um MICH an MEINEM WOHLVERDIENTEN Nachtschlaf zu stören.

Er ist schon wenigstens ne halbe Stunde in meinem Zimmer. Wie schaffen es kleine, rote, dumme Weinkäfer durch einen 4 cm kleinen Spalt in mein Zimmer hinein zu fliegen, aber nicht wieder hinaus? Immer wieder fliegt das Tier gegen meine Wand. Selber Schuld, der Schädel wird brummen, aber der Chitin-Panzer dieses Insekts ist so hart, dass es jedes mal so eine Mischung aus Tafelkratzen und Gänsehaut erregendem Geisterhauch hat. Ich kann dabei erst recht nicht einschlafen. Gewitzt wie ich bin, greife ich zu einem Buch, das neben meinem Bett liegt, schalte das Licht an und warte. Irgendwann kommt er. Jedes Insekt hält meine 40-Watt-Lesefunzel für die Sonne. Mir unbegreiflich warum so dämliche Tiere noch nicht ausgestorben sind. Endlich, da kommt er, klein und dumm, der rote Sonnenanbeter und fliegt um meine Lampe. Ich schlage zu und treffe. Endlich Ruhe. Das Buch in meiner Hand, an dem noch Reste des kleinen Käfers kleben heißt „Leben mit Vision“.

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