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Biographiearbeit

31 Oktober, 2008

In meinem Studium beschäftige ich mich neben zahlreichen anderen Fächern auch mit der Psychologie. Wörtlich übersetzt heißt Psychologie so viel wie „Lehre von der Seele“. Oder auch „Lehre über den Geist“. Das an sich ist ja schon mal eine spannende Disziplin.

Von Christen wird die Psychologie, gerade im Bezug auf die Psychotherapie manchmal kritisch beäugt, aber ich habe bisher positive Erfahrungen gemacht, in der Form, als dass es sich bei den Seminaren immer um logisch nachvollziehbare Inhalte handelt, denen man im Großen und Ganzen gut folgen kann und deren Grundgedanken bei näherem Betrachten Sinn machen.

Heute betrieben wir also in diesem Kurs eine Biographiearbeit. Wir setzten uns in verschiedenen Schritten mit unserer eigenen Vergangenheit auseinander. Dazu zeichnete jeder Kursteilnehmer eine Linie, die eine Zeitstrahl des eigenen Lebens darstellt. Dann wurden darauf die gemeisterten Krisen eingezeichnet, wobei wir davon ausgehen, dass Krisen nicht nur die negativen, sondern generell einschneidende Erlebnisse sind. Das kann genauso die Trennung von einem geliebten Menschen sein, wie ein Umzug in eine völlig fremde Umgebung.

Anschließend zeichneten wir einen Baum, dessen Wurzeln unsere Verwurzelungen darstellten, unseren Halt, unsere sozialen Ressourcen. Dann kam der Stamm, unsere Stärken und Fähigkeiten, quasi die inneren Ressourcen, dann die Krone, die Blätter, die die Werte und Lebensziele und auch unseren Glauben darstellten.
Erste Überraschung hierbei, meine Krone ist viel stärker und breiter, als meine Wurzeln.

Anschließend kam der spannendste Teil, wir sollten unsere Ergebnisse, wniger die Inhalte, als die Gefühle, mit unseren Nachbarn diskutieren. Zweite Überraschung, mein Nachbar sagte als erstes sinngemäß, dass er als eine große Stärke ansehe, dass er sich selbst mögen und akzeptieren würde. Ohne dies hätte man Schwierigkeiten, die anderen Dinge auszuarbeiten. Er hat Recht. Es ist sehr anstrengend über eigene Stärken nachzudenken, wenn man sich selbst nich leiden kann.

Für mich ist das spätestens seit meiner Pubertät ein Problem. Ich weiß zwar inzwsichen ganz gut, was ich kann und kann auch halbwegs gut damit umgehen, mit dem Wissen, verschieden zu sein, anders zu sein, schwächer zu sein als andere. Aber ich kann nicht ehrlich und froh sagen „ich mag mich“. Das wäre gelogen. Ein Problem, das ich seit diesem Frühjahr bearbeite und bei dem ich feststelle, dass ich sehr schnell Neid auf andere entwickeln kann, die ein riesiges Selbstbewusstsein vor sich her tragen, obwohl sie möglicherweise in meinen Augen nicht den geringsten Grund dazu hätten.

Aber, und damit will ich schließen, was ist denn eigentlich ein Grund Selbstbewusstsein zu haben. Sich seiner selbst bewusst zu sein, sich zu mögen? Ein gutes Aussehen? Ein hoher Status? Besondere Fähigkeiten? Die Gewissheit ein Kind Gottes zu sein und geliebt zu sein? Ein Diplom? Geld? Macht? Sex-Appeal? Von allem etwas? Von möglichst vielem etwas?

Ich habe festgestellt, dass ich einerseits leistungsbezogen bin, also dass es mir recht leicht fällt mich zu akzeptieren wenn ich in meinen Augen ausßergewöhnliches geleistet habe. Andererseits liegt die Messlatte für „etwas außergewöhnliches“ auch erstaunlich hoch. Das ist wohl das Dilemma. Und ich habe noch keine Lösung :-) Aber ich möchte jeden, der sich hier irgendwo in diesem ganzen Gedankanchaos wiederfindet ermutigen, es anzugehen. Selbstvertrauen und Selbstannahme sind die Grundvoraussetzung für frohes und gesundes Beziehungsleben. Es gibt kein Rezept. Und in jeder Biographie verstecken sich andere Leichen, aber es lohnt sich, diese anzuegehn, mit Hilfe von Außen, wenn man es allein nicht schafft, und mit Gottes Hilfe sowieso.

Leichen gehören schließlich begraben. Und kaputte Beziehungen gibt es genug. Und je mehr Leute ihr Gedanken- und Vergangenheitschaos überwunden haben, desto mehr „gesunde“ Beziehungen kann es geben. Auf!

Endlich, ein Studienplatz

3 Oktober, 2008

Nach langem Zittern hat es nun endlich noch geklappt! Seit dem ersten Oktober bin ich fröhlicher Student der Sozialen Arbeit. Die Vorlesungen beginnen am kommenden MIttwoch und vorher sind noch ein paar Einführungsveranstaltungen. Mein Stundenplan steht noch nicht endgültig, aber ich bin guter Dinge, dass das Pensum zu schaffen ist und freue mich, endlich wieder eine ganztägige Beschäftigung zu haben, mit der Aussicht auf ein Diplom nach vier Jahren Studium :-)